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125 Jahre Männergesangverein Germania Roth (1890 - 2015)

Kurzer Abriss der Vereinsgeschichte

Der letzte Vereinsvorstand der vor mir die Geschichte der Germania recherchiert hat, war Hans Geier, Ehrenvorstand des MGV Germania Roth. Er hat zum 100-jährigen Bestehen des Vereins folgenden Abriss der Vereinsgeschichte notiert:

„Im Jahre 1890 existierte bereits eine Sängergruppe des Kriegervereins Roth. Diese Sängergruppe löste sich von ihrem Stammverein und konstituierte sich mit Wirkung vom 01.07.1890 als „Männergesangverein Germania Roth“ mit eigener Vorstandschaft und dem Hauptlehrer Mayer als Chorleiter („Direktor“). Diese Trennung dauert bis heute an und nur der Name „Germania“ erinnert noch an die vormalige Verbindung zu einem Kriegerverein.

Der neue Gesangverein hatte zur Gründung auch einen Patenverein gewonnen, nämlich den „Gesangverein Roth von 1832“, der kurz nach seinem 100-jährigen Gründungsfest im Zuge der sogenannten Gleichschaltung 1933 sich aufgelöst hat.

Der florierende Verein „Germania“ erlitt bei Ausbruch des 1. Weltkrieges im Jahre 1914 einen jähen Sängerverlust wegen Einberufung zum Kriegsdienst. Aber bereits am 8. Februar 1919, also wenige Monate nach Kriegsende, begann der Verein schon wieder mit seinen Chorproben mit der Folge, dass die Zahl der Sänger stetig wuchs und zu einem selbst für die damaligen Verhältnisse stattlichen Chor gedieh. Im Jahr 1935 war der Chor so weit gereift, dass er für eine Rundfunkaufnahme im Studio Nürnberg als würdig befunden wurde.

Als im Jahre 1939 der 2. Weltkrieg ausbrach, wurden die meisten Sänger abermals zu den Waffen gerufen, so dass das Vereinsleben erlosch. Doch im Gegensatz zu den Verhältnissen des 1. Weltkrieges 1914-1918 wurde dieses Mal der Beschluss gefasst, dass die wenigen noch verbliebenen Sänger mit dem Rest den Gesangvereins „Fidelio“ Roth gemeinsame Chorproben veranstalten sollten, um die Chortätigkeit notdürftig aufrecht zu erhalten und sie nicht völlig einstellen zu müssen. Das gemeinsam gesungene Lied verband zudem die Sänger der beiden Chöre über die Vereinsgrenzen hinweg.

Nach dem Kriege bedurfte die Wiederaufnahme der Vereinstätigkeit der Genehmigung der amerikanischen Militärregierung. So konnte die erste Chorprobe erst am 30.09.1948 wieder durchgeführt werden – unter Hans Seitz als Chorleiter. Als nach ca. ½ Jahr der Chor wieder auf 35 Sänger angewachsen war, übernahm ihn Berufsschuldirektor Ludwig Schwarz, der ihn gesanglich und gesellig zu einer Einheit formte. Im gegenseitigen Einvernehmen und mit Billigung der Sänger übergab Herr Schwarz im Juli 1953 aus Altersgründen die Chorleitung an Musikprofessor Ottomar Schiller, der den Chor zu einer gesanglichen Steigerung brachte, die ihn befähigte Chorwerke von der Klassik bis zum Zeitgenössischen zu bewältigen. Als z. B. der Chor beim Bundessingen des „Fränkischen Sängerbundes“ am 21.11.1971 in die Meistersingerhalle nach Nürnberg eingeladen wurde, beurteile die Fachkritik den musikalischen Vortrag als „Hohe Schule des Chorgesanges“. In den Jahren 1964-1975 wurden insgesamt 14 Chorlieder vom Bayerischen Rundfunk – Studio Nürnberg – aufgenommen und wiederholt gesendet.

Und wenn Herr Prof. Schiller mit Urkunde vom 27.04.1974 wegen seines kulturellen Schaffens das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen bekam, dann hat unser Chor hierzu sicherlich sein redlich Teil ebenso beigetragen wie auch bei der Zuerkennung der Bürgermedaille der Stadt Roth.

Diese fast 30-jährige erfolgreiche Zusammenarbeit wurde durch den Wohnungswechsel von Prof. Schiller wegen des Todes seiner Gattin und Wegzugs nach Hannover zu seiner Tochter im Dezember 1982 jäh beendet.

Als Nachfolger konnte umgehend Herr Günther Fink verpflichtet werden, so dass sich der Chorleiterwechsel nahtlos und ohne Zeitverlust vollziehen konnte. Da Herr Fink musikalisch ebenso strenge Anforderungen an den Chor stellte wie sein Vorgänger und die Sänger gewohnt und willens sind, diese zu erfüllen, bleiben auch unter der neuen Stabführung die Erfolge nicht aus.

Um der Überalterung des Chores und vor allem dem Nachwuchsmangel entgegen zu wirken, hat der Verein im Jahre 1988 einen Knabenchor gegründet, der 1990 noch aus 24 Knaben bestand, die eifrig bei der Sache waren und nach dem Stimmbruch in den Männerchor integriert werden sollten.

Zum 100-jährigen Jubiläum hat der Bundespräsident Richard von Weizäcker dem Verein als Auszeichnung für die im langjährigen Wirken erworbenen Verdienste um die Pflege der Chormusik und des deutschen Volksliedes die von seinem Vorgänger Herrn Theodor Heuß gestiftete Zelter-Plakette mit Urkunde vom 25.03.1990 zuerkannt.“

Und hier endet die von Hans Geier aufgezeichnete Vereinsgeschichte, deren wichtigste Quelle eine Festschrift zum 75jährigen Vereinsjubiläum 1965 war. Dort wurde die Vereinsgeschichte vom damaligen 1. Vorstand Georg Schlosser verfasst.

Seit 2003 habe ich nun die Ehre als 1. Vorstand für den MGV Germania Roth tätig sein zu dürfen. Auch in den vergangenen 25 Jahren stand der Chor treu zu seinen Traditionen in Geselligkeit und treuer Gemeinschaft den Chorgesang zu pflegen, für musikalische Bildung und kulturelle Bereicherung unseres Gemeinwohls zu sorgen.

Unter der mittlerweile 34-jahrigen Chorleitung durch unseren hochgeschätzten lieben Freund Günther Fink zeichnet sich der Chor mittlerweile nicht nur durch eine hohe Qualität der musikalischen Darbietung sondern auch durch eine beeindruckende Vielfalt des Repertoires aus. In den letzten 20 Jahren hatte fast jedes Konzert ein völlig eigenständiges Gepräge und kannte kaum Wiederholungen. Die Spanne reichte dabei von Berliner Melodien der Goldenen Zwanziger über die atemberaubende Spiritualität der Klangteppiche russisch Orthodoxer Liturgiegesänge, von zu Herzen gehender Romantik bis zu deftiger Seemannsmusik, von ernster Klassik zu frischen Jazzklängen vom eingängigen deutschen Volkslied zu internationalen Chorwerken in 12 Originalsprachen, von Bayerischen Woidlerliedern zu den traditionsreichen Gesängen unserer alpinen Nachbarländer.

Die Aufzählung ließe sich noch lange fortsetzen. Rastlos wie kein anderer arbeitet Günther Fink an der Vervollkommnung unserer musikalischen Fähigkeiten, und das immer in seiner locker-frischen humorvollen aber immer auch Respekt gebietenden Art. Die Sänger des Chores sind ihm dafür allerhöchsten Dank schuldig.

Aber auch unseren Sängern genauso wie unseren passiven Mitgliedern, Sponsoren, Förderern und Freunden möchte ich Dank Sagen für die Treue und Verbundenheit zu unserer Germania. Diese Verbundenheit gibt uns Freude und Motivation, sie verleiht uns die Kraft unser Ziel zu verfolgen weiterhin das kulturelle und gesellschaftliche Leben unserer Heimatstadt Roth zu bereichern.

Harald Bode
1.Vorstand